Zeugnis für Christus und seine Kirche geben

„Geht nicht konform mit dem Zeit-Geist! Leistet Widerstand gegen alle Versuche, die Kirche aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen und unseren Glauben zu diskreditieren! Schart euch um den Felsen Petri!“ Dieser Appell ist ein Extrakt aus dem Kongreß „Freude am Glauben“1 des Forums Deutscher Katholiken, der vom 27. bis 29. August 2010 in Fulda stattfand. (1Die Identität mit dem Namen unserer ‚Initiative Freude am Glauben‘ ist rein zufällig).

Der Kongreß in Fulda, der Stadt mit dem Grab des heiligen Bonifatius („Apostel der Deutschen“) stand in diesem Jahr ganz unter dem Motto „Die Kirche – Dienerin der Wahrheit und Zeichen des Widerspruchs“. Über 1600 Besucher aus dem deutschsprachigen Raum zählten die Veranstalter. Hier Auszüge aus dem Bericht von Michael Hesemann, veröffentlicht in kath.net:

„Drei Tage lang hatte man sich mit den jüngsten Angriffen auf die katholische Kirche und ihre Werte auseinandergesetzt, hatte der ebenso präzisen wie erschütternden Lagebeschreibung von Kardinal Meisner applaudiert und sich mit der Bestsellerautorin Gabriele Kuby für die Rettung christlicher Grundwerte wie Familie, Leben und Keuschheit engagiert. So stand am dritten Kongresstag folgerichtig der Aufruf zum Widerstand durch das persönliche Zeugnis im Mittelpunkt. „Prinzipientreue – Kompromissbereitschaft – Widerstand“ lautete das Thema eines hochkarätigen Podiumsgespräches, an dem der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis, Ministerpräsident a.D. Prof. Werner Münch, der Sozialwissenschaftler Prälat Prof. Lothar Roos sowie der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof a.D. und ehemalige Vizepräsident des Europaparlaments, Prof. Siegfried Alber, teilnahmen. Es sollte zu einem weiteren Höhepunkt des Kongresses werden.

Münch, ein CDUler der „alten Schule“, der selbst im Amt vor jeder Kabinettssitzung die heilige Messe besuchte, bedauerte die Veränderung dieser ehemals christlichen Volkspartei in den letzten 40 Jahren. Er selbst zog nach 37jähriger Mitgliedschaft die Konsequenz, als er auf die unselige Papstschelte von Bundeskanzlerin Angela Merkel hin seinen Parteiaustritt erklärte. Dass Merkel ausgerechnet auf einer Pressekonferenz im Beisein des kasachischen Diktators Nursultan Nasarbajew von Benedikt XVI. eine Erklärung zum Holocaust einforderte, brachte für ihn „das Fass zum Überlaufen“. Die Bundeskanzlerin habe dabei nicht nur alle Grundregeln der Diplomatie und des persönlichen Anstands ignoriert, sondern offenbar weder die Papstrede in Auschwitz noch seine nur zwei Tage zuvor abgegebene Erklärung zum Holocaust-Gedenktag – sie wurde immerhin im Rahmen einer mittwöchlichen Generalaudienz verlesen – zur Kenntnis genommen.

Am deutlichsten sei der Unterschied zwischen der CDU eines Konrad Adenauers und einer Frau Merkel an ihrer Antwort auf die Frage festzumachen, was sie denn am Sonntag täten. „Den Gottesdienst besuchen“ antwortete noch der Alte aus Rhöndorf, „Ausschlafen und Nachdenken“ die Pastorentochter aus der Uckermark.

„Prinzipientreu kann man nur sein, wenn man noch welche hat“, stellte Prof. Alber fest und bedauerte, wie weit das Christentum, das immerhin die Grundlage unserer Kultur ist, auch in der Legislative verdrängt wird. Eine Mitschuld gibt er der Verwässerung des christlichen Glaubensgutes auch in weiten Kreisen der Kirche: „Es ist mehr Welt in die Kirche geflossen als umgekehrt.“ Satan habe sich einst der römischen Kaiser bedient, um die Christen zu verfolgen, heute habe er sich die Theologieprofessoren geschnappt und sei damit erfolgreicher. Aber nicht Werte ändern sich, sondern die Einstellung der Menschen. Darum bedankte er sich für alle öffentlichen Demonstrationen des Glaubens, als Beispiel nannte er die Lichterprozession am Kongresssamstag, und rief jeden Einzelnen dazu auf, in der Gesellschaft Farbe zu bekennen.

Auch Norbert Geis mahnte Prinzipientreue an und lud engagierte Katholiken zum Eintritt in die Parteien ein; nur so ließe sich mittelfristig etwas verändern. Es helfe nicht, „die Politik“ von außen zu kritisieren; Christen müssten wieder in die Spitzengremien gewählt werden. Prinzipientreue hieße aber auch, seinen Glauben öffentlich zu leben. Dazu gehöre das Tragen der Priesterkleidung auf der Straße ebenso wie das Tischgebet im Restaurant oder der Kirchgang mit den Enkeln, wenn schon die Eltern diesen versäumten.

Vor allem aber dürften Kirchenvertreter nicht immer klein beigeben: Dass die Bischöfe nicht offen gegen Abtreibungen oder die unselige Homo-Ehe aufträten, dass eine Frau Käßmann die Pille als Gottesgeschenk bezeichnen durfte, ohne daraufhin Kanzelverbot zu bekommen…
So fand Moderator Dr. Andreas Püttmann keinen Widerspruch, als er nach dem Podiumsgespräch die Resolution „Gebt Zeugnis für Christus und Seine Kirche!“ präsentierte:

„Wir in Fulda zum Kongress ‚Freude am Glauben‘ versammelte Katholiken rufen angesichts des dramatischen Verfalls katholischen Glaubens, kirchlichen Lebens und christlicher Leitkultur in Deutschland alle Gläubigen auf, die Zeichen der Zeit zu erkennen, ihre Herausforderung anzunehmen und ihre Bereitschaft und Fähigkeit zum christlichen Zeugnis zu erneuern.“ Monatelange Kampagnen gegen Papst und Klerus, ein militanter, missionarischer „neuer Atheismus“ und die Beschneidung der Religionsfreiheit von Christen „ermahnen uns, den Anfängen zu wehren, unsere Kirche entschieden zu verteidigen und dabei auch soziale Blessuren nicht zu scheuen“.

Dabei zitierte die Erklärung das „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ der evangelischen Christen aus dem Jahre 1945, das ebenso gut in unsere Zeit passt, in der die Kirche nicht weniger, wenn auch subtiler bedrängt wird: „Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“
Ein feierliches Pontifikalhochamt im Fuldaer Dom, zelebriert von Zenon Kardinal Krocholewski aus Rom, dem Präfekten der Kongregation für Katholische Erziehung, schloss die ereignisreichen Kongresstage harmonisch ab.“

Zu erwähnen ist noch die Resolution >>> zu mehr Einsatz für die weltweit verfolgten Christen.

Das Forum Deutscher Katholiken beschreibt sich in Kürze so: „Vertreter katholischer Vereinigungen und eine Reihe von Einzelpersönlichkeiten haben das Forum am 30. September 2000 gegründet. Es will papst- und kirchentreue Katholiken unterschiedlicher Spiritualität und geistlicher Ausrichtung in katholischer Weite zu einem lockeren Verband zusammenführen; denn ein neuer Aufbruch braucht eine organisatorische Stütze. Das Forum steht allen Katholiken offen, die sich zum Glauben unserer Kirche bekennen, wie er im Katechismus der Katholischen Kirche zusammengefaßt ist.“ – HJE

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„Der Herr sucht unsere Nähe viel mehr als wir ihn“

Was sind die Quellen der Freude eines Christen? Dazu gehört die erlebte Gegenwart Jesu in der Heiligen Eucharistie ["Gottheit tief verborgen, betend nah' ich dir..." - Lied im 'Gotteslob' nach Thomas von Aquin]. Wer sich auf die Suche macht, findet in vielen Städten Oasen des Gebets. Jesus lädt uns ein, beim ihm in seiner verborgenen Gegenwart zu verweilen und zu beten. An einigen Orten ist dies sogar täglich rund um die Uhr möglich, wie zum Beispiel in der Sankt Clemens-Kirche, Berlin, Stresemann-Straße 66.  Neben der „Ewigen“ eucharistischen Anbetung (24 Stunden) gibt es von 9 bis 24 Uhr Offene Kirche, Beichtgelegenheit, Geistliche Begleitung und Gesprächsangebot. Zu jeder vollen Stunde wird der Barmherzigkeitsrosenkranz gebetet. Mehr dazu unter St. Clemens Berlin.

„Der Herr sucht unsere Nähe viel mehr als wir ihn…“, eine Aussage des Vorsitzenden des Fördervereins St. Clemens, Matthias Raphael Prause, im Interview mit der katholischen Zeitung „Die Tagespost“.  Daraus Zitate: „…die Anbetung ist ein besonderes Herzensanliegen unseres Heiligen Vaters, weil es ein Herzensanliegen Gottes selbst ist. Unser Papst lädt die Kirche eindringlich zur eucharistischen Anbetung ein…Gerade in den Städten brauchen wir dringend Orte des Gebets, an denen Menschen Gott begegnen können. Es gibt in dieser Welt keinen unmittelbareren Zugang zum lebendigen Gott, als durch die Eucharistie. Sie ist das größte Geschenk, denn in ihr schenkt sich Gott uns selbst. Mehr kann man nicht schenken, mehr kann man nicht lieben. Wenn wir anbeten, antworten wir auf diese Liebe mit dem wenigen, was wir haben. Und diese Antwort verwandelt unser Herz. Wer im Glauben wachsen, wer Gott kennenlernen, wer ihm wirklich begegnen will, dem möchte ich die Anbetung ans Herz legen.“

Während meines Aufenthaltes in Irland im Juli 2010 habe ich verschiedene Kirchen aufgesucht, in denen täglich mindestens eine Stunde eucharistische Anbetung ist.  Zum Beispiel in Castlebar: „Can you not watch one hour with me?” (Kannst du nicht eine Stunde mit mir wachen?, fragt Jesus auch uns)

Oder in Frankfurt am Main, im Herzen der Main-Metropole zwischen der Einkaufsstraße ZEIL und dem Frankfurter Dom. Es ist die von Franziskanern betreute Liebfrauenkirche. Oder in Stuttgart in der Bischofskirche St. Eberhard, Nähe Hauptbahnhof.

In unserer Seelsorgeeinheit Villingen-Münster findet am 27. September 2010 – wie in jedem Jahr – die “Ewige” Anbetung statt. >>>Download Flyer - HJE

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Die Zeit für die Erreichung des Lebensziels nutzen

Bevor Aktivitäten gestartet werden, braucht das Unternehmen eine klare Zielsetzung. Zielsetzung ist in anderer Weise auch im privaten Leben wichtig. Ohne Ziel können Handlungen und Vorhaben ins Leere laufen und ergeben letztlich keinen Sinn.

Da stellt sich also die Sinnfrage, die Frage nach dem eigentlichen Ziel unseres irdischen (christlichen) Lebens. Hören wir zunächst hinein in ein Gespräch über den Heiligen Geist zwischen dem großen  Starzen (Mönch) Seraphim von Sarov und seinem Freund Motovilov.

Motovilov berichtet: Der Tag war trüb, Schnee lag zentimeterhoch auf der Erde, als Vater Seraphim mit mir das Gespräch in der Nähe seiner Einsiedelei begann. „Der Herr offenbarte mir“, sagte der große Starez, „dass ihr schon seit Eurer Kindheit wissen wollt, worin das Ziel unseres christlichen Lebens besteht. Bei vielen wichtigen geistlichen Personen habt Ihr darüber schon zu wiederholten Malen gefragt. Niemand aber hat Euch darüber etwas Genaues gesagt. Man hat Euch gesagt: Geh in die Kirche, bete zu Gott, erfülle die Gebote Gottes, tue Gutes – darin besteht auch für dich das Ziel des christlichen Lebens. Andere waren sogar schlecht zu sprechen auf Euch, weil Ihr Euch mit einer Gott nicht wohlgefälligen Neugier beschäftigen würdet und sagten zu Euch: Such nicht das, was für dich zu hoch ist. Man hat aber nicht so zu Euch gesprochen, wie es eigentlich sein sollte. Ich, der arme Seraphim, erkläre Euch nun, worin tatsächlich dieses Ziel besteht.“

„Gebet, Fasten, Nachtwachen und alle anderen christlichen Taten sind soweit nicht schon von sich aus gut, als in der Tätigkeit allein noch nicht das Ziel unseres christlichen Lebens besteht, wenn sie auch unabdingliche Mittel zum Erreichen des Zieles sind. Das wahrhaftige Ziel unseres christlichen Lebens jedoch besteht in der Erlangung des heiligen Geistes Gottes. Fasten aber und Nachtwachen, Gebet oder Wohltätigkeit, alle um Christi Willen verrichtete guten Werke sind Mittel zur Erlangung des Heiligen Geistes Gottes.“

„Merkt, Freund, dass nur das gute Werk, das für Christus getan wird, uns die Früchte des Heiligen Geistes bringt. Alles, was nicht für Christus getan wird, mag es auch gut sein, bringt uns im Leben der zukünftigen Welt keinen Lohn, ja sogar im hiesigen Leben gewährt es uns nicht die Gnade Gottes.“

„So ist es, mein Gottesfreund. So besteht im Erlangen dieses Heiligen Geistes das wahre Ziel unseres christlichen Lebens, Gebet hingegen, Wachen, Fasten, Almosen und andere um Christi willen verrichtete Tugenden sind nur die Mittel zur Erlangung des Heiligen Geistes.”

„Was ist das, Erlangung?” fragte ich Vater Seraphim, „ich verstehe das nicht.“

„Erlangung ist ganz dasselbe wie Erwerben”, antwortete er mir. „Ihr versteht doch, was Geld verdienen heißt? Genau so verhält es sich mit der Erlangung des Heiligen Geistes. Ihr versteht doch, was im weltlichen Sinn Erwerben bedeutet, mein Gottesfreund? Das Lebensziel der Leute im Allgemeinen ist das Geldverdienen, bei den Adeligen darüber hinaus, der Empfang von Ehrungen, Auszeichnungen und anderer Belohnungen im Staatsdienst. Das Erwerben des Heiligen Geistes ist ebenso ein Kapital, nur ist es gnadenhaft und ewig und es wird auf ein und demselben Wege erworben wie Geld, staatliche Verdienste und zeitliche Güter, eines ist dem anderen sehr ähnlich. Gott das Wort, unser Herr und Gottmensch Jesus Christus vergleicht das Leben mit einem Marktplatz, das Tun unseres Lebens nennt Er einen Einkauf und uns allen sagt Er: „Kauft, bis Ich komme, kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse“, das heißt, gewinnt die Zeit zum Empfang der himmlischen Güter über die irdischen Waren. Die irdischen Waren, das sind die Tugenden, die für Christus getan werden und die uns die Gnade des Allheiligen Geistes erlangen. (Das Gespräch wurde entnommen aus Feuer & Licht Nr. 178, Juni 2010)

Kommentar: Natürlich kann niemand den Heiligen Geist „kaufen“ – dass hatte der Apostel Petrus auch einem Mann namens Simon klargemacht – siehe Apostelgeschichte 8,18-21: „Als Simon sah, dass durch die Handauflegung der Apostel der Geist verliehen wurde, brachte er ihnen Geld und sagte: Gebt auch mir diese Macht, damit jeder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfängt. Petrus aber sagte zu ihm: Dein Silber fahre mit dir ins Verderben, wenn du meinst, die Gabe Gottes lasse sich für Geld kaufen. Du hast weder einen Anteil daran noch ein Recht darauf, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott.“

Für die Getauften und Gefirmten können die Aussagen des Seraphim von Sarov so verstanden werden: In der heiligen Firmung spricht der Bischof „Sei besiegelt mit der Gabe Gottes, dem heiligen Geist.“ Es handelt sich dabei um eine Berufung zum Leben in Gott, zur Nachfolge Jesu Christi. Es ist eine anfanghafte Gnade, also noch nicht die ganze Fülle des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist will den Firmanden anspornen zu Taten der Liebe, zum Einsatz für das Reich Gottes, damit die Früchte des Geistes heranreifen und sichtbar werden. Der Galaterbrief sagt dazu: Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue (Gal 5,22)

Frucht bringen ist auch die Verheißung Jesu im Johannes-Evangelium im Kapitel 15,1-17: Christus ist der wahre Weinstock. Die Voraussetzung, Frucht zu bringen, ist, als Rebe am Weinstock mit ihm verbunden zu bleiben. Wenn die Rebe abgeschnitten ist, verdorrt sie.

Wenn Seraphim von Sarov über das Erwerben den Heiligen Geistes spricht und auf die Worte Jesu hinweist, denkt er sicher an das Kapitel 16,9-13 bei Lukas, in dem es um den richtigen Gebrauch der irdischen Güter geht. Paul Gerhard Müller kommentiert: „Wie der korrupte Verwalter im Kapitel Lukas 16 sollen sich die Jünger mit dem „ungerechten Mammon“ Freunde machen, damit sie in die „ewigen Zelte“ Gottes beim Endgericht aufgenommen werden, „wenn er aufhört“. Klugheit besteht für den Jünger darin, den Reichtum geschickt für die Armen zu verwenden, sich durch Almosengeben auf Zukunft hin bei Gott „abzusichern“ (siehe Lk 12,33), da die irdische Existenzsicherung durch Geld plötzlich im Tod aufhört. Mit „Freunde machen“ ist Gott gemeint, nicht die Armen. Der Mammon ist schon deswegen ungerecht, weil der ungleich verteilte Reichtum prinzipiell eine Unrechtssituation schafft, solange er nicht solidarisch und gerecht in Verteilung gebracht wird (Vgl. Sir 5,8; 27,1f; Mk 4,19)

Lukas 12,33: “Verkauft alles, was ihr habt, und gebt es als Almosen. Macht euch Beutel, die nicht veralten, einen Schatz in den Himmeln, der nicht versiegt, wo kein Dieb herankommt und keine Motte zerstört. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.“

Ein Heiliger des 20. Jahrhunderts, Maximillian Kolbe, der bekanntlich anstelle eines Familienvaters freiwillig in den Tod ging, hatte eine sehr zielgerichtete Auffassung über die Verwendung des Geldes: Maximilian gab die Zeitschrift ‚Immaculata‘ heraus und verwendete die seinerzeit modernsten Druckmaschinen. Ein Mitbruder hatte deswegen Bedenken und fragte: „Was würde unser Ordensgründer, der heilige Franz von Assisi dazu sagen?“ Maximillian erwiderte: Franz würde dies begrüßen und sagen, ‚für das Reich Gottes muß alles in die Waagschale geworfen werden!‘

Heinz Josef Ernst

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Eindrücke rund um den Info-Stand am 5. Juni 10

Planmäßig und bei bestem Sommerwetter lief die angekündigte Präsenz in der Villinger Innenstadt ab. Eine Plakattafel konfrontierte die Passanten mit der Frage: „Ist beim Tod alles aus?“ Die Tafel enthielt auch Informationen zur geschenkten Vergebung in der Beichte und zum christlichen Sender Radio Horeb. Es hatte allerdings den Anschein, dass das für jeden Menschen wichtige Thema ‚Tod‘ die meisten nicht wirklich beschäftigt. Sicher ein Spiegelbild der unlängst von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) durchgeführten Umfrage, nach der 65 % der deutschen Bevölkerung glauben, dass nach dem Tod alles aus ist. Wenn die 65 % recht hätten, wäre unser Glaube sinnlos und das Christentum und andere Religionen hinfällig. Aber Jesus selbst sagt: Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt und hat das ewige Leben, und auch: Gott ist ein Gott der Lebenden und nicht der Toten. – Bibel und Glaubensbekenntnis sagen uns, dass Jesus wiederkommen wird in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten (das heißt, die Verstorbenen werden wieder aufstehen zum Gericht).

Mit dem Ruf „Die Kirche hat ein Problem“ kam gleich zu Beginn ein Passant auf uns zu und nannte als Grund dafür die Ehelosigkeit der Priester, den Zölibat. Gegenargumente ließ er dabei nicht zu. – „Die Kirchgänger sind keine bessere Menschen – man kann außerhalb der Kirche genau so beten“. Hier liegt eine falsche Sichtweise vor. Es geht gar nicht um besser oder schlechter. Jesus Christus lädt uns zu sich ein. Er ist das Haupt und der Heilige Geist das Herz der Kirche. Jesus stärkt uns durch sein Wort und nährt uns durch die heiligen Sakramente: Die Vergebung und Versöhnung in der Beichte, die heilige Kommunion, die Krankensalbung. – Jesus hat schon alles für unser ewiges Heil am Kreuz auf Golgatha getan. Wir brauchen sein Geschenk, seine Gnade (durch die Sakramente) nur noch im Glauben anzunehmen.

Radio Horeb: Hierzu bieten wir auf dieser Seite einen Service an: Sie finden unter den Rubriken „Leben im Geist“ und „Standpunkte“ immer die jeweils letzten Sendungen im Originalton (nur anklicken).

Demonstration für die Befreiung Gaza‘s. Aufgrund der israelischen Gewalt gegen die Aktivisten eines Hilfsschiffes für Gaza, bei der es neun Tote zu beklagen gab, erlebten wir unmittelbar den lautstarken Protest der türkisch-muslimischen Gemeinde in Villingen. >>>Siehe Fotogalerie.

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Informationsstand in der Villinger Innenstadt

Unsere Präsenz: Samstag, 5. Juni 2010, von 9 bis 17 Uhr, in der Villinger Fußgängerzone, (am Latschari-Platz, vor der Sparkasse).

Wir suchen das Gespräch mit Interessierten zu aktuellen Fragen des Glaubens, wie zum Beispiel: „Was kommt nach dem Tod?“ (Einer aktuellen Umfrage zufolge, glauben 65 % aller Deutschen, dass nach dem Tode alles aus ist); „Sünde, Buße und Vergebung“, „die Bedeutung des Pfingstfestes“. Wir sind offen für kritische Fragen zum Thema ‚Kirche‘, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Mißbrauchs-Debatte. Wir weisen gern darauf hin, dass Jesus Christus, der Grund unserer Freude, inmitten seiner Kirche ist. Damit bleibt sie auch in dieser schwierigen Zeit ein Ort der Hoffnung und des Heils. Denn von ihr kommt immer wieder Gottes Wort zu uns, das uns reinigt und zu Buße und Umkehr führt.

Wie zuletzt wie auf dem Weihnachtsmarkt am Stand unserer Seelsorgeeinheit Münster, bieten wir auch christliche Medien an; unter anderem: Probeexemplare einer katholischen Zeitung, die Bibel, Glaubensbücher, Gebetstexte, Informationen zum Thema ‚Verfolgte Christen‘, u.a.

Es ist hoffentlich für jede/n etwas dabei. Bitte besuchen Sie uns oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular (siehe „Über uns“) und machen Sie auch Bekannte darauf aufmerksam.

Martin Lienhart-Martin Fetscher-Heinz J. Ernst

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Christus kennen: Hoffnung und Freude

“Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht: Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau‘ ich und fürcht‘ mich nicht…”. So heißt es in einem Lied der ökumenischen Brüdergemeinschaft in Taizé.

„Damit ihr Hoffnung habt“, unter diesem Leitwort stand auch der gerade zu Ende gegangene Zweite Ökumenische Kirchentag in München.

Erzbischof Reinhard Marx trug beim Eröffnungsgottesdienst auf der Theresienwiese ein Grußwort von Papst Benedikt vor:

„….Ihr wollt inmitten einer schwierigen Zeit ein Signal der Hoffnung in die Kirche und in die Gesellschaft senden. Dafür danke ich Euch sehr. Denn unsere Welt braucht Hoffnung, unsere Zeit braucht Hoffnung.

Aber ist die Kirche eigentlich ein Ort der Hoffnung? In den letzten Monaten sind wir mit immer neuen Meldungen konfrontiert worden, die uns die Freude an der Kirche nehmen möchten, sie als Ort der Hoffnung verdunkeln. Wie die Knechte des Gutsherrn im Gleichnis des Evangeliums vom Gottesreich, so möchten auch wir den Herrn fragen: „Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?“ (Mt 13, 27).

Ja, der Herr hat mit seinem Wort und mit der Hingabe seines Lebens wahrhaftig guten Samen auf den Acker der Erde gesät. Er ist aufgegangen und geht auf. Wir brauchen dabei nicht nur an die großen Lichtgestalten der Geschichte zu denken, denen die Kirche das Prädikat „heilig“, das heißt ganz von Gott durchdrungen, von ihm her leuchtend zuerkannt hat. Jeder von uns kennt auch die kleinen, von keiner Zeitung erwähnten und in keiner Chronik zitierten Menschen, die vom Glauben her zu einer großen Menschlichkeit und Güte gereift sind.

Abraham hat in seinem leidenschaftlichen Disput mit Gott um den Erhalt der Stadt Sodom vom Herrn der Welt die Zusicherung erhalten, wenn es dort zehn Gerechte gebe, werde er die Stadt verschonen (Gen 18, 22–33).

Wie viel mehr als zehn Gerechte gibt es in unseren Städten gottlob! Wenn wir ein wenig wach sind, wenn wir nicht nur das Dunkle, sondern das Helle und Gute in unserer Zeit wahrnehmen, sehen wir, wie der Glaube die Menschen rein und gütig macht und sie zur Liebe erzieht.

Noch einmal: Es gibt das Unkraut gerade auch mitten in der Kirche und unter denen, die der Herr in besonderer Weise in seinen Dienst genommen hat. Aber das Licht Gottes ist nicht untergegangen, der gute Weizen nicht erstickt worden von der Saat des Bösen.

„Damit ihr Hoffnung habt“: Dieser Satz will uns zuallererst dazu einladen, den Blick für das Gute und für die Guten nicht zu verlieren.

Er will uns einladen, selbst gut zu sein und immer neu gut zu werden; er will uns einladen, wie Abraham mit Gott um die Welt zu streiten und dabei leidenschaftlich selbst danach zu streben, von Gottes Gerechtigkeit her zu leben.

Ist also die Kirche ein Ort der Hoffnung? Ja, denn von ihr kommt immer wieder Gottes Wort zu uns, das uns reinigt und den Weg des Glaubens zeigt. Sie ist es, weil in ihr der Herr sich immer wieder selbst schenkt – in der Gnade der Sakramente, im Wort der Versöhnung, in den vielfältigen Gaben seines Trostes. Das kann durch nichts verdunkelt und zerstört werden. Darüber sollen wir uns mitten in aller Drangsal freuen.

Wenn wir von der Kirche als Ort der von Gott herkommenden Hoffnung sprechen, dann bedeutet dies zugleich eine Gewissenserforschung: Wie gehe ich mit der Hoffnung um, die der Herr uns geschenkt hat? Lasse ich mich wirklich von seinem Wort formen? Lasse ich mich von ihm ändern und heilen? Wie viel Unkraut wächst eigentlich in mir selbst? Bin ich bereit, es auszureißen? Bin ich dankbar für das Geschenk der Vergebung und bereit, meinerseits anderen zu vergeben und zu heilen, statt zu verdammen? Fragen wir noch einmal: Was ist das eigentlich, „Hoffnung“?

Die Dinge, die wir selbst machen können, sind nicht Gegenstand der Hoffnung, sondern Aufgabe für uns, die wir mit der Kraft unseres Verstandes, unseres Willens und unseres Herzens zu erfüllen haben. Aber wenn wir über all das nachdenken, was wir leisten können und müssen, dann fällt uns auf, dass wir die allergrößten Dinge nicht machen können. Sie können nur als Geschenk zu uns kommen: die Freundschaft, die Liebe, die Freude, das Glück. Noch etwas will ich dabei anmerken:

Wir alle wollen leben, und auch das Leben können wir uns nicht selber geben.

Kaum noch jemand spricht freilich heute über das ewige Leben, das einst der eigentliche Gegenstand des Hoffens war. Weil man nicht daran zu glauben wagt, muss man nun alles von diesem Leben erhoffen.

Das Beiseite-Lassen der Hoffnung auf das ewige Leben führt zu einer Gier nach Leben jetzt und hier, die fast unausweichlich egoistisch wird und schließlich unerfüllbar bleibt.

Gerade wenn wir das Leben selber als eine Art Habe an uns reißen wollen, läuft es uns davon. Aber kehren wir zurück. Die großen Dinge des Lebens können wir nicht machen, wir können sie nur erhoffen. Die frohe Botschaft des Glaubens besteht eben darin:

Es gibt den, der sie uns schenken kann. Wir sind nicht allein gelassen. Gott lebt. Gott liebt uns. In Jesus Christus ist er einer von uns geworden. Ich kann ihn anreden, und er hört mir zu.

Darum sagen wir mit Petrus in der Wirrnis unserer Zeiten, die uns so viele andere Wege einredet, zu ihm: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes“ (Joh 6, 68f).

Zum Schluß wünscht der Papst den auf der Theresienwiese Versammelten (und damit uns allen), die Freude darüber zu erfahren, Gott kennen zu dürfen. Dass wir Christus kennen. Dass er uns kennt. Das ist unsere Hoffnung und unsere Freude mitten in den Wirrnissen dieser Zeit.

 (Vatikan/Benedikt XVI)

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“Weil ich nicht draussen sein kann”

Warum er immer noch in der katholischen Kirche sei, wurde der Spiegel-Redakteur Matthias Matussek in Verbindung mit dem Bekanntwerden der Mißbrauchsfälle gefragt.

Seine Antwort lautet: „Weil ich nicht draußen sein kann. Ich bin katholisch zur Welt gekommen, aufgewachsen, erzogen, geprägt – und werde wohl katholisch sterben. Ich bin so katholisch wie ich Mann bin. Ich habe mir die katholische Religion nicht ausgesucht. Aber wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich wohl sie genommen.

Mir dreht sich der Magen um, wenn ich an die Missbrauchsfälle denke, die unter dem Deckmantel der Kirche geschehen sind. Sie sind ein Verbrechen, sind eine Sünde. Aber die katholische Religion lässt sich dafür ganz sicher nicht verantwortlich machen, auch wenn es derzeit versucht wird…”

Er schreibt weiter unter anderem:

“Auch ich bin auf ein katholisches Internat gegangen, auf das Aloisiuskolleg in Bad Godesberg. Glückliche Jugendjahre. Jesuiten haben einen guten Ruf als Pädagogen, in der ganzen Welt, und er ist verdient. Ich habe es genossen, in dieser Gemeinschaft zu lernen, Studienpulte, Silentium von 13 bis 15 Uhr, danach Sport, Sport, Sport. Musisches, Theater, Geschichten erzählen, aus allem wurde eine Art Olympiade gemacht. Die Schlafsäle, die Kissenschlachten. Beim Essen wurde vorgelesen. So lernte ich “Moby Dick” kennen und “Oliver Twist”. Meine Erinnerungen an die Internatszeit sind schön und ungetrübt wie diejenigen, die vor ein paar Wochen der Anwalt und Schriftsteller Ferdinand von Schirach für den SPIEGEL notiert hat. Er war in St. Blasien.

Wie er kann auch ich mich nicht an das geringste Vorkommnis erinnern, das einen Verdacht erweckt hätte. Die einzigen homoerotischen Spielereien fanden unter uns statt, da mussten wir uns nicht von irgendwelchen Patres beraten lassen, das kommt alterstypisch.

Wir Katholiken sollten uns nicht von den Hysterikern des Tages überrollen lassen. Die Kirche ist in einer ernsten Krise, das ja, aber nicht jeder Vorwurf ist damit gerechtfertigt.

Nein, ich werde nicht austreten aus der Kirche. Man wechselt seine Religion nicht wie ein Hemd.” >>> Download Artikel: “Austritt kommt nicht in Frage” als PDF-Datei.

Heinz Josef Ernst

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Der kleine Weg

Liebe Schwester, lieber Bruder, erlaube mir, dass ich mich selber bekannt mache: Am 2. Januar 1873 wurde ich in Alencon, einer Stadt in der Normandie, geboren. Nach dem Tod meiner Mutter – ich war noch keine fünf Jahre alt – zogen wir (mein Vater und meine vier älteren Schwestern) in das benachbarte Lisieux. In der neuen Umgebung fühlte ich mich zunächst ganz wohl, doch seit der Schulzeit ging es mit meiner körperlichen und seelischen Gesundheit immer mehr bergab. Erst mit 14 Jahren kehrte meine volle Stabilität wieder zurück. Gott selbst hatte eingegriffen, um mir zu zeigen, dass ich ohne ihn nichts vermag. Gott Freude zu machen, davon war ich durchdrungen, seit ich denken konnte. Jetzt wollte ich mich ihm ganz schenken in der Absicht, an der Bekehrung der Sünder mitzuwirken. Obgleich noch ein Kind, wollte ich nicht länger warten, da ich die innere Ahnung hatte, nicht alt zu werden. Nachdem ich Himmel und Erde in Bewegung gesetzt hatte, wurde ich 15jährig in das Kloster der Karmelitinnen von Lisieux aufgenommen. Das Klosterleben in seiner Strenge war für mich kein Problem, doch Gott in den Menschen zu lieben, hat mich oft viel gekostet. Hätte ich dabei nur auf meine eigene Kraft gebaut, wäre ich bestimmt kläglich gescheitert. Doch im Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit ist mein Leben – es währte nur 24 Jahre – gelungen. Selbst in der äußersten Verlassenheit meiner Todeskrankheit hat mich der Glaube gehalten. Das Besondere an meinem Leben ist nicht mein Verdienst, sondern die erbarmende Liebe Gottes. Sich seiner Liebe zu überlassen und in Treue und Tapferkeit all die kleinen Liebeserweise zu erbringen, die der Alltag fordert, dazu möchte ich Dich ermutigen und auf diesem Weg begleiten.

Therese wollte von Jugend an eine Heilige werden. Doch beim Vergleich mit den großen Vorbildern kam sie sich unendlich klein vor. Dennoch sagte sie sich: “Wenn Gott keine unerfüllbaren Wünsche eingibt, dann muss es für mich einen Weg zur Heiligkeit geben.” Im Studium der Hl. Schrift und im intensiven Nachdenken gewann sie wertvolle Einsichten:

  • Mich selber größer zu machen ist unmöglich! Ich muss mich ertragen wie ich bin.
  • Es ist gar nicht nötig, durch mein eigenes Bemühen zu wachsen.
  • Jesus verlangt von mir keine großen Taten, sondern nur Hingabe und Dankbarkeit.
  • Ich habe kein anderes Mittel, um Gott meine Liebe zu beweisen, als aus Liebe zu ihm auch die allerkleinsten Dinge zu tun.
  • Ich bin mir meiner eigenen Nichtigkeit bewusst und erwarte alles von Gott.
  • Ich lasse mich wegen meiner Fehler nicht entmutigen.

Kurz vor ihrem Tod sprach Therese noch einmal eindringlich über ihre Sendung: “Ich will die Menschen lehren, Gott so zu lieben, wie ich ihn liebe und ihnen meinen kleinen Weg geben. Ja, ich will meinen Himmel damit verbringen, auf Erden Gutes zu tun.” Der kleine Weg … auch für mich? Bis auf den heutigen Tag gehen Millionen von Menschen in aller Welt den “Kleinen Weg”, indem sie versuchen, die Aufgaben des Alltags in Liebe zu erfüllen, denn: “Vor Gott zählt nicht der Verdienst, sondern allein die Liebe.” Anstelle hochfliegender Pläne für morgen, soll ich das heute verwirklichen, was diese Stunde und Minute von mir verlangt, unscheinbare Dinge und Taten wie zum Beispiel:

  • Durch ein Lächeln, wenn ich lieber ein missmutiges Gesicht machen möchte.
  • Durch ein Wort, das ich nicht sage, obwohl es mir auf der Zunge brennt.
  • Durch einen kleinen Verzicht auf ein erlaubtes Vergnügen.
  • Indem ich einen unangenehmen Menschen bewusst ertrage.
  • Indem ich eine lästige Arbeit nicht aufschiebe.
  • Indem ich ein Gebet geduldig zu Ende führe.

Durch die kleinen Liebesakte bleibe ich ständig in lebendiger Verbindung zu Gott. Therese vergleicht sie mit Strohhalmen, die dem Feuer der Gottesliebe immer wieder neu Nahrung geben. Das einzige, was der “Kleine Weg” verlangt, ist Ausdauer – ein Leben lang. Doch seien wir unbesorgt. Der, der uns die Gnade des Anfangs gibt, ist treu und wird uns helfen, den einmal eingeschlagenen Weg auch zu vollenden. – Therese von Lisieux wurde 1925 heiliggesprochen und 1997 zur Kirchenlehrerin erhoben.

Heinz Josef Ernst

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Mit Jesus wird es gelingen

Der Versuchung zur Sünde ist jeder ausgesetzt. Man spricht auch wieder von ‘Sünde’, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Banken- und dem Mißbrauchskandal; dem Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” war das Thema “Sünde” ein Leitartikel wert: “Triumph der Sünde – von Wollust, Habgier und anderen Versuchungen” (Ausgabe Nr. 7 vom 13.02.2010). Der Publizist Matthias Matussek berichtet über die sieben Hauptsünden, analog dem “Katechismus der katholischen Kirche”, § 1866: Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Trägheit oder Überdruß. Als Hauptsünden werden sie deshalb bezeichnet, weil sie weitere Laster erzeugen.

Matussek verwendet folgende Begriffe: Superbia: Hochmut und Eitelkeit; Avarita: Habgier und Geiz; Luxuria: Wollust und Genusssucht; Ira: Zorn und Rachsucht; Gula: Völlerei und Maßlosigkeit; Invidia: Neid und Mißgunst; Acedia: Trägheit des Herzens. – Er bringt für alle Hauptsünden aktuelle Beispiele. Am Ende seines Beitrags sagt er, was Schuld bedeutet und der Ausweg nur Reue und Vergebung sein kann:

“Schuld bedeutet die Verletzung einer kosmischen Ur-Ordnung, wie sie sich in der Genesis-Erzählung vom Garten Eden spiegelt. Im Chaos nach der Vertreibung sollten religiöse Grundregeln Identität schaffen. Ihr Bruch, also die Sündenerfahrung, erzeugt Selbstzweifel, Angst, Scham. Die Psalmen sind voll davon.

Mit der Menschwerdung Gottes in Jesus ändert sich die Lage. Im Römerbrief konzentriert sich Paulus ganz auf die Schuldfrage. Die neue Freiheit wird nicht mehr von der Gemeinschaft und der Tora gestiftet, sondern durch das vorbehaltlose Vertrauen in Jesus und seine Auferstehung. Sehr viel später wird der protestantische Existenzphilosoph Sören Kierkegaard diesen Gedanken aufnehmen. Aus der Verzweiflung über die Sünde und der Angst heraus hilft nur der „Sprung” zu Gott. Der Weg aus der Schuld läuft allein über tiefempfundene Reue. Selbst unsere Rechtsprechung mag darauf nicht verzichten, ein reuiger Angeklagter kann mit Strafmilderung rechnen. Wie viel mehr gilt das für das letzte Gericht! Die Protestanten bekennen ihre Schuld kollektiv, vor der ganzen Gemeinde. Für Katholiken bietet sich der Beichtstuhl als Ort göttlicher Vergebung an. Die Stille, das Holzgitter, das Murmeln des Priesters, der nach einigem Nachfragen - Präzision ist wichtig - sein „Ego te absolvo” spricht. „Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen”, sagte Jesus seinen Jüngern. Das alles in der Intimität der Ohrenbeichte, als persönliches Geheimnis, fernab vom Geständnistrubel bei Facebook.”  -

Jesus selbst wurde in Versuchung geführt. Was können wir daraus lernen? -Auszug aus einer Ansprache von Benedikt XVI. beim Angelus am 21.02.2010:

Der heilige Evangelist Lukas berichtet, dass Jesus, nachdem er von Johannes die Taufe empfangen hatte, „erfüllt vom Heiligen Geist, die Jordangegend verließ. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt“ (vgl. Lk 4,1–2).

Hier wird ganz offensichtlich auf der Tatsache bestanden, dass die Versuchungen kein zufälliges Ereignis waren, sondern eine Folge der Entscheidung Jesu, dem Auftrag zu folgen, den der Vater ihm anvertraut hatte, bis zum äußersten als der geliebte Sohn zu leben, der vollkommen auf Ihn vertraut.

Christus ist in die Welt gekommen, um uns von der Sünde und von dem zweifelhaften Reiz zu befreien, unser Leben unabhängig von Gott zu entwerfen. Er hat das nicht mit hochtönenden Erklärungen getan, sondern indem er persönlich gegen den Versucher kämpfte, bis hin zum Kreuz. Dieses Beispiel gilt für alle: Die Welt wird besser, indem man bei sich selbst anfängt, indem man mit der Gnade des Herrn das ändert, was im eigenen Leben nicht gut ist.

Von den drei Versuchungen, denen Jesus durch den Satan ausgesetzt wird, ist die erste auf den Hunger zurückzuführen, also auf das materielle Bedürfnis: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden“. Doch Jesus antwortet mit der Heiligen Schrift: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot“ (Lk 4,3–4; vgl. Dt 8,3). Dann zeigt der Teufel Jesus alle Reiche der Erde und sagt: Das wird alles dir gehören, wen du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.

Es handelt sich um den Trug der Macht, und Jesus entlarvt diesen Versuch und weist ihn zurück: „Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen“ (vgl. Lk 4,5–8; Dt 6,13).

Nicht Verehrung der Macht, sondern nur Verehrung Gottes, der Wahrheit und der Liebe. Schließlich schlägt der Versucher Jesus vor, ein aufsehenerregendes Wunder zu wirken: sich oben vom Tempel hinabstürzen und sich von den Engeln retten zu lassen, so dass alle an Ihn geglaubt hätten.

Doch Jesus antwortet ihm, dass Gott niemals auf die Probe gestellt wird (vgl. Dt 6,16). Wir können kein „Experiment machen“, auf das Gott reagieren und sich als Gott zeigen soll: Wir müssen an Ihn glauben!

Wir dürfen Gott nicht zum „Material unseres Experiments“ machen! Immer mit dem Bezug auf die Heilige Schrift stellt Jesus den menschlichen Kriterien das einzig wahre Kriterium voran: den Gehorsam, die Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, der das Fundament unseres Seins ist. Auch das ist eine grundlegende Lehre für uns: Wenn wir das Wort Gottes in unseren Gedanken und in unserem Herzen tragen, wenn es in unser Leben eintritt, wenn wir auf Gott vertrauen, dann können wir jede Art von Irreführung durch den Versucher zurückweisen. Des Weiteren geht aus der ganzen Erzählung klar das Bild Christi als des neuen Adam hervor, demütiger Sohn Gottes und gehorsam gegenüber dem Vater, im Unterschied zu Adam und Eva, die im Garten Eden der Verführung durch den Geist des Bösen nachgegeben hatten, unsterblich zu sein, ohne Gott.

Die Fastenzeit ist wie ein langer „Rückzug“, währenddessen man in sich selbst einkehrt und die Stimme Gottes hört, um die Versuchungen des Teufels zu besiegen und die Wahrheit unseres Daseins zu finden. Eine Zeit, so können wir sagen, des geistlichen „Kampfes“, der gemeinsam mit Jesus gelebt werden muss, nicht stolz und anmaßend, sondern indem man die Waffen des Glaubens benutzt, also das Gebet, das Hören auf das Wort Gottes und die Buße. Auf diese Weise wird es uns gelingen können, wahrhaft Ostern zu feiern, bereit, unser Taufversprechen zu erneuern. – HJE

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Neu anfangen – Das Geschenk der Beichte

Meine Familie und ich wohnten einmal in einem Haus ohne angrenzenden Schuppen, wo wir Unnötiges hätten auslagern können. So mussten wir mit dem Keller vorlieb nehmen. Die gelben Müllsäcke zum Sammeln der Verpackungen konnten wir ebenfalls nur unten im Haus unterbringen. Leider brachte dies nach kurzer Zeit entsprechende unangenehme Gerüche mit sich, die nach oben hin ausdünsteten. Welch eine Erleichterung, wenn wir zum Abholzeitpunkt diese Stinkbeutel loswerden konnten!

Auf den ersten Blick scheint dieses Beispiel aus der Alltagswirklichkeit nichts mit ´Beichte´ tun zu haben. Aber dieses Befreitwerden von einer unangenehmen Last hat sehr viel mit dem Sakrament der Versöhnung – wie Beichte auch genannt wird – zu tun. In der Beichte begegne ich einem Priester, vor dem ich meine Sünden bekenne, aber ich spreche sie eigentlich vor Gott aus, denn der Priester ist nur die rechte Hand Gottes, die für ihn von den Sünden losspricht. Wage ich nochmals den Vergleich mit den Stinkbeuteln, dann kann man diese gut mit Sünden vergleichen. Jede Sünde ist eine Trennung vom Guten, eine Abspaltung von Gott, mehr oder weniger groß. Wird die Sünde, das Schlechte im Menschen nicht beseitigt, dann dünstet sie aus in die gesunden Teile des Menschen. Sie mindert die Freude, sie hält vom Guten ab und zieht weitere Sünden nach sich.

Ein Mensch, der seine Sünden behält, kann nicht wirklich von Herzen froh sein! Wie gut also, dass Gott uns in Jesus Christus seine Vergebung und Befreiung in der Beichte anbietet. Jede sündige Altlast können wir in die  Beichte bringen, dass Gott sie wegnehme und uns davon befreie. Dies schafft Raum für einen echten Neuanfang, für neue Freude.

Zugegeben: Es kann Überwindung kosten, seine Sünden zu bekennen. Aber Jesus erzählte einmal die Geschichte vom barmherzigen Vater,Barmherziger Vater der seinen Sohn mit Freude wieder aufnahm, obwohl der sogar seinen Erbteil verjubelt hatte. Gott ist es, der sich am meisten freut, wenn ein Sünder umkehrt und neu anfangen will.

Beichten ist ganz einfach. Zuerst wendet man sich im Gebet an Gott: Hilf mir bitte bei der Vorbereitung! Danach folgt die Besinnung: Ich betrachte mein Leben vor Gott. Welche Sünden habe ich getan? Wie lebe ich? Wo habe ich Gutes und Liebe unterlassen? Aus der Besinnung ergibt sich anschließend die Reue: Ich bedauere meine Sünden. Mir tut es leid, was ich Böses getan habe, weil Jesus für mich so viel gelitten hat. Er hat aus Liebe zu uns, wegen unserer Erlösung so viel erduldet.

Auf  diese Vorbereitung folgt die eigentliche Beichte: Man geht zum Priester und bekennt seine Sünden. Der Priester gibt oft einige Ratschläge und gibt eine Buße auf als Zeichen der Besserung, in der Regel ein Gebet. Nun kommt der Höhepunkt der Beichte: Der Priester spricht den Beichtenden los von seinen Sünden: “Ich spreche dich los von deinen Sünden ….”. In diesem Moment darf der Beichtende an die große Liebe Gottes denken, der ihn – wie der Vater den Sohn in oben genannter Geschichte – “an sein Herz drückt”. Jetzt ist man von allen Sünden befreit! Nun kann man mit Gottes Hilfe neu anfangen und wird  neuen Schwung in seinem Leben entwickeln!

Gerade die jetzt kommende Fastenzeit ist eine wunderbare Gelegenheit, einen Neuanfang mittels einer Beichte zu wagen! - Martin Lienhart

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